Frankfurt am Main – Hinter die Kulissen der Bombenentschärfung geschaut

Ein langer Tag für Helfer aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Hessische-Nachrichten - Stadt Frankfurt am Main - Aktuell -Frankfurt am Main – (ffm) An der Entschärfung der Weltkriegsbombe am Sonntag, 7. Juli, ist eine Vielzahl von Institutionen beteiligt, deren Einsatz ein Führungsstab im Brandschutz-, Katastrophenschutz- und Rettungsdienstzentrum (BKRZ) koordiniert. Diesem steht das Frankfurter Ordnungsamt als zuständige Gefahrenabwehrbehörde vor. Beteiligte Institutionen sind der Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt, Berufs- sowie freiwillige Feuerwehr, Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk, Landespolizei, Stadtpolizei sowie weitere Teile der Kommunalverwaltung.

Das Gros der Arbeit schultern Einheiten von Brandschutz, Rettungsdiensten und Katastrophenschutz. Von ihnen sind rund 700 Kräfte im Einsatz, wie Rainer Heisterkamp von der Frankfurter Branddirektion erläutert. Diese kommen aus Frankfurt und dem Umland. Denn ein solcher Einsatz – zugleich müssen Reserven für das „Alltagsgeschäft“ vorgehalten werden – ist nicht mit eigenen Mitteln zu stemmen. Daher hat die Stadt Frankfurt mit einem Amtshilfeersuchen das Hessische Innenministerium als Obere Katastrophenschutzbehörde um Unterstützung gebeten. Das beordert Kräfte nicht nur aus allen Nachbarkreisen. Die weiteste Anreise dürften Fahrzeuge mit dem Kennzeichen RÜD für den Rheingau-Taunus-Kreis haben.

„Wir benötigen ganz viel Transportkapazität“, beschreibt Heisterkamp die Herausforderung für den Sonntag. Die Helfer müssen mobilitätseingeschränkte Menschen aus Wohnungen und Heimen zu anderen Orten bringen. Das können Freunde, Sammelstellen wie das Zoo-Gesellschaftshaus oder andere Einrichtungen sein. Die Betroffenen melden sich über das Bürgertelefon 069/212-111 oder online über das Registrierungsportal der Feuerwehr Frankfurt unter https://arcg.is/1aS5vb . Ein „Wettlauf gegen die Zeit“, wie Heisterkamp erläutert. Denn die Zahl der Transportfälle steigt mit jedem Anruf, gleichzeitig muss der Sperrbereich im Ostend bis zur vorgegebenen Zeit geräumt sein. Am Freitagmorgen hatten sich bereits über 300 Menschen gemeldet, Tendenz steigend. Bereits am Samstag bringen die Helfer die so genannten Schwerstpflegebedürftigen, deren Transport und Unterstützung besonders anspruchsvoll ist, zu anderen Unterkünften. Insgesamt leben im Evakuierungsbereich rund 16.500 Menschen.

Ab 8 Uhr kontrollieren am Sonntag Teams aus Landespolizei und Helfern, ob die rund 1000 Objekte tatsächlich leer sind. Mehrere hundert Polizisten werden im Einsatz sein. „Das klappt in den allermeisten Fällen gut, denn die Leute wissen, dass es um ihre eigene Sicherheit geht“, sagt Chantal Emch vom Polizeipräsidium. Hinzu kommt, dass die von der Räumung Betroffenen auf Initiative von Oberbürgermeister Peter Feldmann freien Eintritt in Museen und Palmengarten genießen. Zur Kontrolle wird ein Hubschrauber mit einer Wärmebildkamera über die Evakuierungszone fliegen. „So können wir sicherstellen, dass sich niemand mehr in dem Bereich aufhält. Mit unseren Absperrungen sorgen wir mit der Unterstützung der Stadt- und Wasserschutzpolizei dafür, dass dies auch so bleibt“, erklärt Emch.

Die Evakuierungszone hatte der Kampfmittelräumdienst in Absprache mit den Frankfurter Behörden bereits kurz nach dem Fund am Dienstag, 25. Juni, festgelegt. „Art des Sprengkörpers, Lage und Fundort sowie mögliche Beschädigungen entscheiden darüber, wie groß der Sperrkreis ist“, erläutert Heisterkamp. Aufgrund dieser Parameter legen die Spezialisten auch fest, wie lange bis zu der Entschärfung gewartet werden kann. In diesem Fall verblieben gut anderthalb Wochen, eine recht kommode Frist. Sollte es mal schneller gehen müssen, wäre das für die Gefahrenabwehrbehörden kein Problem. „Wir sind schließlich die Feuerwehr“, sagt Heisterkamp und verweist auf vorbereitete Pläne und Abläufe.

Wenn die Kampfmittelräumer – nach Auskunft des RP handelt es sich um ehemalige Soldaten der Bundeswehr – nach voraussichtlich vier bis fünf Stunden die Bombe entschärft haben und Entwarnung geben, ist der Einsatz der Helfer noch nicht vorbei. „Wir müssen alle Patienten zurückbringen“, erläutert Heisterkamp. Dazu müssen Sperren abgebaut werden und die Kollegen aus dem Umland noch zurück zu ihren Standorten fahren.

Für Oberbürgermeister Feldmann zeigt der Einsatz, wie Stadt und Umland zusammen gehören. „Auch das Beispiel Katastrophenschutz zeigt, dass Frankfurt und seine Nachbarn als Einheit gedacht werden müssen. Dabei ist mir wichtig, stets die Menschen im Blick zu haben. Daher freue ich mich, dass jede Helferin und jeder Helfer einen Gutschein für einen Museumsbesuch als kleines Dankeschön bekommt“, sagt das Stadtoberhaupt.

Text: Ulf Baier