Lahnstein – Zeitzeuge referierte über die Bombardierung Lahnsteins und schildert Erlebnisse im Bunker „Kellerchen“

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Dr. Meinhard Olbrich schilderte rund 70 interessierten Zuhörern seine Kriegserlebnisse in Lahnstein und das Überleben im Stollenbunker „Kellerchen“. – Foto: Freigegeben – Stadt Lahnstein

Lahnstein (RLP) – Das Kriegsende vor 70 Jahren stand im Mittelpunkt eines Vortrags, den Dr. Meinhard Olbrich im Gemeindehaus St. Barbara hielt. Als Zehnjähriger musste er am 26. März 1945 miterleben, wie seine Spielkameraden auf der Allerheiligenbergstraße vor dem sogenannten „Kellerchen“ durch Granatwerferbeschuss ums Leben kamen.

Zusammen mit Stadtarchivar Bernd Geil bot er ergänzend dazu Führungen in den Stollenbunker an, der im 19. Jahrhundert als Lagerstätte für Natureisblöcke aus der Lahn zum Kühlen von Bier und Fleisch erbaut worden war. Vor- und Hauptraum, mit Ziegelsteinen ausgemauert, wurden im Zweiten Weltkrieg durch Sprengungen mit Felsgrotte und Notstollen versehen.

Die Räume boten bis zu 250 Menschen Schutz vor den Luftangriffen der Alliierten. In seinem Vortrag, den Olbrich auf Einladung der Kolpingfamilie St. Barbara im Gemeindehaus St. Barbara hielt, stützte er sich neben den eigenen Erinnerungen auf das Tagebuch seiner Mutter, Aufzeichnungen des Beerdigungsinstituts Hewel, Sterberegister des Stadtarchivs und auf die in den letzten Jahren erschienene Literatur zum Thema Kriegsende in Lahnstein. Während er mit seiner Mutter etwas oberhalb im Forsthaus lebte, suchte er mit ihr – wie vor allem die Bewohner von der Holzgasse und der Hochstraße (heute: Im Plenter) – hier Schutz vor den Luftangriffen und dem Artillerie-Beschuss.

Der Haupteingang war durch eine massive Splitterschutzwand gesichert und hatte eine stählerne Luftschutztür. Außen stand ein Lichtmast für die Stromversorgung im Stollenbunker. Der Hauptraum war ca. 30 m lang und 3,73 m breit. Er hatte einen fest gestampften Gang zwischen den Sitzreihen an der Wand und der steinernen Umgrenzung eines Quellenabflusses. Der Abfluss war mit Bohlen abgedeckt, auf denen sich viele einen Sitzplatz eingerichtet hatten. Am Ende befand sich ein Luftschacht, der heute – wie auch der hintere Teil des Notstollens – zugeschüttet ist. Daher kann die Luft nicht mehr zirkulieren, der Kohlendioxidgehalt ist geringfügig erhöht, eine zeitlich begrenzte Führung aber gestattet.

Das kalkhaltige Quellwasser fließt reichlich und hinterlässt an den Wänden und am Boden seine Spuren in den interessantesten Farben. Die rund 60 Teilnehmer der Führungen waren überrascht und beeindruckt, was die Natur im Stollen hinterlassen hat. Drei von ihnen haben die Luftangriffe auf Lahnstein hier erlebt und kehrten nach 70 Jahren ins „Kellerchen“ zurück.

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Text: Stadt Lahnstein

 

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