Ratgeber Reise und Urlaub – Reisen im Rollstuhl

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Gesunder Verstand will auch bei eingeschränkter Mobilität gepflegt und gefordert werden – Foto: A. Damaschun

Ratgeber Reise und Urlaub – Reisen im Rollstuhl: Eine Abhängigkeit vom Rollstuhl kann viele Gründe haben. Ein Unfall kann zu einer zeitweisen oder dauerhaften Bindung führen, ebenso Krankheit oder Behinderung. Egal, wann diese Abhängigkeit einsetzt – Es geschieht immer zu früh.

Trotzdem darf hierbei nicht der Mut verloren werden, denn ein gesunder Verstand will auch bei eingeschränkter Mobilität gepflegt und gefordert werden. Dabei ist das Reisen eine der besten Möglichkeiten, Körper und Geist etwas Gutes zu tun, doch gerade dies gestaltet sich oft leider schwierig.

Europäische Initiative für Integration

Die Europäische Union fördert Maßnahmen zur Integration von Menschen mit Behinderungen aller Art und ehrt im Rahmen der Access-City-Award-Initiative seit 2010 jährlich diejenigen Städte und Gemeinden, die einen besonderen Beitrag zur Schaffung eines barrierefreien Umfeldes leisten und so einen gleichberechtigten Zugang ermöglichen.

Dies wird aufgrund des demographischen Wandels immer wichtiger, denn bis 2020 rechnet die EU mit 120 Millionen Menschen mit Behinderung innerhalb ihres Einzugsgebietes. Für reiselustige Rollstuhlfahrer bietet diese Preisverleihung einen guten Ansatzpunkt für das Finden möglicher Ausflugsziele. Zwei Städte verdienen dieses Jahr eine besondere Erwähnung.

Breda, Niederlande

Die Gemeinde Breda in der niederländischen Provinz Nordbrabant ist diesjähriger Gewinner des Access-City-Awards. Dabei ist sie immer noch im Umschwung, denn mit einem Vierjahresplan soll die Barrierefreiheit von 2018 bis 2021 zur Norm werden. Sämtliche Busse und Haltestellen sind bereits barrierefrei, ebenso der neu gebaute Bahnhof. Darüber hinaus wurden über 800 Geschäfte und Gaststätten auf Zugänglichkeit überprüft. Außerdem beherbergt Breda wichtige Kulturdenkmäler des Landes, welche die Geschichte der Königsfamilie von Nassau erzählen.

Breda ist eine gute Option für deutsche Kurzurlauber, die mit dem Auto anreisen, denn wer die im Süden gelegene Stadt anfährt, vermeidet den starken Verkehr um Den Haag, Amsterdam und Utrecht. Um bei einem langen Wochenende in Breda darüber hinaus unabhängig vom öffentlichen Nahverkehr zu sein, kann in die Beschaffung eines rollstuhlgerechten Fahrzeuges investiert werden, oder alternativ in die Umrüstung des Familienwagens. Anbieter wie Allied Mobility bieten einen solchen Service an.

Évreux, Frankreich

Den zweiten Platz der Access-City-Awards sicherte sich dieses Jahr die französische Kleinstadt Évreux. Diese liegt auf halbem Wege zwischen Paris und der Küste der Normandie, somit ist sie z.B. von Breda in 5 Stunden mit dem Auto erreichbar. Évreux weist über 2.000 Jahre Besiedelungsgeschichte auf und das Stadtbild wird dominiert durch die gotische Kathedrale Notre-Dame.

Die Stadt verdiente sich die besondere Ehrung der EU durch ihr Konzept für barrierefreie Kommunikation, bei dem Mitteilungen durch Behörden, an öffentlichen Plätzen und in Museen jeweils in leicht verständlicher Sprache verfügbar sind. Hiermit wird besonderen Wert auf die Integration von Menschen mit unsichtbaren Behinderungen gelegt. Darüber hinaus wurden sämtliche öffentliche Gebäude und die großen Parks der Stadt modernisiert und speziell für Rollstuhlfahrer gestaltet.

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Hessen-Tageblatt – Reiseredaktion