Wirtschaft – Prospektwerbung – liest die überhaupt noch jemand?

Werbeflyer-StapelWirtschaft – Die Einen freuen sich darüber, die Anderen ärgern sich nur über zusätzlichen Papiermüll: Ein Großteil der deutschen Haushalte empfängt wöchentlich Prospekte, Blätterkataloge und andere gedruckte Werbemittel im Briefkasten. Umweltschützer kritisieren den hohen Papierverbrauch der Briefkastenwerbung. Daher sollte man sich zurecht die Frage stellen, ist Prospektwerbung überhaupt noch zeitgemäß?

Einzelhandel setzt stark auf Prospekte

Die großen Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel sind schon länger auf allen möglichen Werbekanälen vertreten. So ist es nichts Ungewöhnliches wenn man im Fernsehen einen Aldi-Werbespots sieht oder bei Instagram auf Influencer trifft, die für den Lidl werben. Dennoch setzen die Handelsketten auch heute noch sehr stark auf Werbeprospekte. So hat das EHI Retail Institute die Werbeausgaben im deutschen Einzelhandel ermittelt.

Im letzten Jahr haben die Händler knapp ein Drittel aller Werbeaufwendungen für Werbemittel wie Prospekte, Flyer und Broschüren ausgegeben. Egal ob Rewe, Lidl oder Netto – die klassischen Printwerbungen sind für Supermärkte und Discounter immer noch die klare Nummer 1 unter den verschiedenen Werbemöglichkeiten. Laut Aldi Süd werden sogar heute noch die meisten Kunden mit der Briefkastenverteilung erreicht (siehe auch Artikel zum Thema Prospektwerbung auf horizont.net).

Verbraucher verzichten ungern auf Prospekte

Dass die gedruckte Werbung und Prospektverteilung in Deutschland tatsächlich so gut funktioniert, zeigen auch die Ergebnisse einer letztjährigen Studie unter deutschen Konsumenten. In einer Umfrage zur Bedeutung von Werbeprospekten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel wurde unter anderem die Frage gestellt, ob es in Ordnung wäre, wenn es die Papierprospekte nicht mehr gäbe und man stattdessen nur noch digital über wöchentliche Sonderangebote informiert werden würde? Nur 34 % der Befragten wären damit einverstanden, auf Papierprospekte zu verzichten und derartige Angebote nur noch online zu durchstöbern.

Dabei können die jüngsten unter den Befragten noch am ehesten darauf verzichten: So antwortete mehr als die Hälfte der befragten 18 bis 29-jährigen, dass sie auf gedruckte Werbungen wie Flyer und Blätterkataloge verzichten könnten. Je älter die befragten Personen allerdings waren, desto weniger konnten Sie sich einen Einkauf ohne die klassischen Prospekte vorstellen. So können sich nur 9 % der Konsumenten, die 65 Jahre und älter sind, vorstellen auf die Postwurfsendungen zu verzichten (siehe Umfrageergebnisse auf statista.de).

Interessant ist allerdings eine weitere Beobachtung, die durch die Nutzerstatistiken eines Online-Prospekteportals erhoben wurden: Rund ein Viertel der Nutzer, die regelmäßig durch die verschiedensten Online-Prospekte stöbern sind ebenfalls in der Altersgruppe der 18 bis 29-jährigen (basierend auf einer Analyse der Nutzerdaten von kimbino.de).

Auch wenn die jüngeren Verbraucher eher auf Papierwerbung verzichten können, erreicht das Format der Prospekte mit den Angeboten der Woche immer noch einen Großteil der Verbraucher – egal ob digital oder in Papierform.

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Hessen-Tageblatt – Wirtschaftsredaktion