Frankfurt am Main – Seit 20 Jahren setzen sich die Kinderbeauftragten der Stadt für die kleinen Frankfurter ein

Sie wissen, was sich Kinder wünschen

Kinderanhörung 2014 – Foto: Freigegeben – PIA – FFM

Frankfurt am Main – (pia) „Kinder“, sagt Borris Yauschew, „haben so ein dankbares Wesen.“ Für sie muss man nicht die ganze Welt verändern. Kinder kann man froh machen, indem man dafür sorgt, dass das langersehnte Spielgerät auf dem Spielplatz aufgestellt wird, der Bolzplatz neue Tore bekommt, die unübersichtliche Kreuzung auf dem Schulweg nicht mehr ganz so angsteinflößend ist.

Borris Yauschew ist Kinderbeauftragter in Heddernheim, seit drei Jahren kümmert er sich um die Belange der jüngsten Bewohner seines Stadtteils. Bei regelmäßigen Eltern- und Kindersprechstunden erfährt er, wo den Kleinen und manchmal auch den Großen der Schuh drückt. Im Juni dieses Jahres hat er gemeinsam mit seiner Kinderbeauftragten-Kollegin Alexandra Fege alle Kinder aus Heddernheim, Niederursel und der Nordweststadt zu einer großen Kinderanhörung ins Schultheaterstudio der Ernst-Reuter-Schule eingeladen.

„Keine Meckerveranstaltung“, sagt Yauschew, sondern ein Forum, bei dem Kinder ihre Sicht auf ihre Umgebung kundtun konnten – was gefällt ihnen, was nicht? „Die Kinder mögen die Nidda, den Wasserspielplatz auf dem Buga-Gelände“, erzählt der Kinderbeauftragte. Die Jugendlichen auf ihrem Spielplatz, die mögen sie nicht – zumindest nicht, wenn sie die Spielgeräte belagern. Deshalb haben die Kinder vorgeschlagen, einen Jugendtreff einzurichten. Damit die Teenager auch einen Ort haben, an dem sie zusammen sein können. Boris Yauschew wird sich darum kümmern.

Seit 20 Jahren gibt es in Frankfurt das Ehrenamt der Kinderbeauftragten, eine Konsequenz der UN-Kinderrechtskonvention, die vor 25 Jahren festgeschrieben wurden. Die Konvention brachte nicht nur Bewegung in die Kommunalpolitik, sondern warf auch Fragen auf: Wie kann man Frankfurt zu einer familien- und kinderfreundlichen Stadt machen? Wie kann man die Rechte, die auf Papier geschrieben stehen, in die Realität umsetzen? Welche Sorgen haben Kinder? Und was macht ihnen Spaß?

Im Jahr 1991 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, ein Kinderbüro einzurichten. Auf der Grundlage einer Satzung übernahmen drei Jahre später die ersten Kinderbeauftragten ihr Amt. „Sie sind mit Augen und Ohren näher an der Basis. Und je mehr Informationen sie an das Kinderbüro übermitteln, desto bessere Arbeit konnten und können wir leisten“, sagt die heutige Leiterin des Kinderbüros Susanne Feuerbach.

Der Ortbeirat schlägt die Kinderbeauftragen vor, durch den Magistrat werden sie berufen. Um das Ehrenamt zu bekleiden, braucht man jedoch kein Mitglied im Ortsbeirat oder einer Partei zu sein. Die Kinderbeauftragen sind allein den Interessen der Kinder verpflichtet, sie arbeiten überparteilich und eng mit dem Kinderbüro zusammen.

Benötigen sie Fachwissen, das über ihre Kernaufgabe hinaus reicht – zum Beispiel weil es im Stadtteil einen Fall von Kinderschutz gibt, weil ein inklusives Freizeitangebot geschaffen oder in der Nachbarschaft ein Streit um eine Kita geschlichtet werden soll – dann hilft das Team im Kinderbüro weiter oder vermittelt an die passenden Fachleute in Ämtern der Stadt Frankfurt. Gleichzeitig bildet das Kinderbüro die Kinderbeauftragten selbst weiter – auf regelmäßigen gemeinsamen Treffen, in Einzelgesprächen und durch Workshops.

Die Aufgaben und Rechte der Kinderbeauftragten sind in einer Geschäftsanweisung festgeschrieben. Allen voran sollen sie die Kinderrechte bekannt machen und umsetzen. Wie sie das konkret tun, bleibt den Kinderbeauftragten überlassen. Während die einen Kindergärten, Horte und Schulen besuchen, suchen andere den Kontakt bei Spielplatz-Begehungen oder Stadtteilfesten. Anderswo organisieren sie Kindersprechstunden oder Kinderanhörungen oder bauen ein Kinderparlament auf. Auch in die andere Richtung, nämlich in Politik und Verwaltung, klären die Kinderbeauftragten über die Kinderrechte auf: So machen sie beispielsweise in Stadtteilarbeitskreisen mit, pflegen Beziehungen zu Grünflächen- und Stadtschulamt und vernetzen Organisationen, Menschen und Parteien.

Dass bei dieser Arbeit ein gutes Netzwerk wichtig ist, kann Anna Monaco schon nach einem halben Jahr im Amt der Höchster Kinderbeauftragten bestätigen. Sie kennt ihre Ansprechpartner im Stadtteil, bei den Ämtern, bei der Presse. Mit ihren guten Kontakten, Geduld und einer ordentlichen Portion Hartnäckigkeit ist es Anna Monaco gelungen, eine Sperrung des Spielplatzes am Main durch den TÜV aufzuheben.

„Die Spielgeräte waren marode, die Gewährleistungsfrist stand kurz vor dem Ablauf.“ Anna Monaco blieb am Ball und erreichte eine Einigung zwischen Grünflächenamt und Baufirma – die Höchster Kinder klettern und rutschen nun auf einem neuen, sicheren Spielturm. Vor Anfragen und Aufgaben kann sich Anna Monaco kaum retten – es gebe immer etwas zu tun und wenn sie etwas anpacke, dann richtig, sagt die Höchsterin. Anfang 2015 plant sie, eine regelmäßige Kindersprechstunde einzurichten.

Borris Yauschews Kinderanhörung und Anna Monacos Einsatz für den neuen Spielturm sind nur zwei Beispiele aus 20 Jahren Frankfurter Kinderbeauftragte. Erfolgsgeschichten gibt es viele – Spielstraßen, Zebrastreifen, Ampeln, Aktionen gegen rasende Autos und Hundehaufen zählen ebenso dazu wie renovierte oder neu angelegte Spielplätze und der Kiosk im Günthersburgpark. Den hatten sich die Kinder bei einer Anhörung im Jugendhaus Bornheim vor 20 Jahren gewünscht. Heute ist er nicht mehr aus dem Park wegzudenken und – gemessen an den langen Schlangen, die sich bei schönem Wetter vor seiner Theke bilden – einer der beliebtesten Treffpunkte im Stadtteil.

Text: Anja Prechel

Hinweis: Zurzeit suchen die Ortsbeiräte Kinderbeauftragte für die Stadtteile Schwanheim, Rödelheim, Hausen, Eschersheim und Nieder-Eschbach, Preungesheim, Eckenheim, Bonames und Berkersheim. Ausführliche Informationen bekommt man bei Christine Noth, Geschäftsstelle der Kinderbeauftragten im Frankfurter Kinderbüro, Telefon 069/212-39001, E-Mail: christine.noth@stadt-frankfurt.de

 

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