Ratgeber – Falsche Bewertungen auf Webseiten im Internet erkennen

Aufpassen: Nicht jede Bewertung im Internet ist ECHT!

Neues-Hessen-Tageblatt - Wirtschaft und Handel in Hessen -Ratgeber – Falsche Bewertungen: Der Einzelhandel in Deutschland ist mittlerweile vom Internet abhängig. 57,8 Milliarden Euro werden hierzulande digital erwirtschaftet. Tendenz weiterhin steigend. Denn auch immer mehr ältere Menschen entdecken die Bestellung per Klick für sich und möchten die bequeme Direktlieferung bis an die Haustür nicht mehr missen. Die meisten von ihnen orientieren sich bei ihrer Kaufentscheidung an Bewertungen.

Die kleinen Sterne, die Punkte oder Noten sind allgegenwärtig. Auf allen großen Plattformen, bei Onlinehändlern und Unternehmensprofilen finden sie sich. Und sie haben einen essenziellen Einfluss auf unsere Kaufentscheidung. Bei so gut wie jedem Produkt vergleichen wir genau, lesen die Meinungen und Rezensionen und versuchen anhand der individuellen Meinungen herauszufinden, welcher Artikel für uns selbst der Beste ist. Doch an dieser Stelle ist oft Vorsicht geboten. Denn viele Bewertungen sind schlicht Fake. Das Bild, welches wir von einem Produkt haben, wird verfälscht, unser Vertrauen missbraucht. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie wir Fake-Bewertungen erkennen und uns vor ihnen schützen können.

Wie Bewertungen gefälscht werden

Es gibt eine ganze Reihe an Systemen und Techniken, mit denen unwahre Rezensionen ausgespielt werden. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um positive oder negative Bewertungen handelt. Denn neben den Unternehmen, die ihr eigenes Image mit Bestnoten aufpolieren wollen gibt es auch diejenigen, die ihrer Konkurrenz Schaden durch Fake-Bewertungen zufügen wollen. Besonders aus der Gastronomie und der Hotelbranche sind dieser Angriffe bekannt. Im Bereich der Lieferdienste wird der Konkurrenzkampf äußerst erbittert geführt. Der Einfluss von Bewertungen ist hier so groß, dass negative Einträge die Existenz eines Unternehmens ernsthaft gefährden können.

  • Vordefinierter Algorithmus: Eine der rudimentärsten Formen falscher Bewertungen. Anhand einer Excel- oder XML-Liste fügt ein Programm auf einer Reihe von Portalen und Seiten Einträge hinzu. Das Verfahren ist schnell und preiswert, kommt jedoch bereits durch eine simple vorgeschaltete Anmeldung an seine Grenzen. Auch die Qualität der Texte ist mehr als überschaubar.
    • Erkennungschance: Einfach. Meist fangen schon die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen der jeweiligen Seite diese Bewertungen ab. Auf einen Text wird oftmals vollständig verzichtet und das Rating selbst ist immer das Maximum. Sie sollten deshalb bei Produkten, die beispielsweise zehn Bewertungen mit voller Punktzahl aufweisen, eine gewisse Skepsis an den Tag legen.
  • Reaktionsbewertungen: In vielen Fällen werden Unternehmer aktiv, wenn sie schlechte Bewertungen erhalten haben. Sie sichern sich dann die Hilfe eines entsprechenden Unternehmens, um ihren Schnitt möglichst zügig zu verbessern.
    • Erkennungschance: Mittel. Eine Flut von positiven Bewertungen, die auf eine schlechte folgt, ist immer auffällig und sollte skeptisch machen. Gerade dann, wenn keine Interaktion mit den Rezensenten stattfindet, also auch kein Bemühen erkennbar ist, die eigene Leistung zu verbessern, ist eine plötzliche Verbesserung auf natürlichem Wege sehr unwahrscheinlich.
  • StartupBewertungen: Aller Anfang ist schwer. Das ist auch im Internet nicht anders. Mit ein paar anfänglichen Bewertungen kann sich ein Unternehmen einen guten Start verschaffen.
    • Erkennungschance: Mittel. Am Anfang gleich perfekt zu starten, ist zumindest unwahrscheinlich. Auch lassen die Bewertungen meist Details vermissen.
  • Dienstleister: Einzelpersonen oder kleine Agenturen, die darauf spezialisiert sind, Bewertungen zu verfassen. Sie erstellen eine Reihe von Accounts und tragen dann Bewertungen für ihre Kunden auf verschiedenen Portalen ein. Diese sind oft ausführlich und berichten Positives, ohne dabei ins Detail zu gehen.
    • Erkennungschance: Schwer. Sind die Verfasser vorsichtig und wissen, was sie tun, sind die Rezensionen kaum von echten Bewertungen zu unterscheiden. Einzig das Profil selbst kann Auskunft geben, wenn eine ganze Reihe an Bewertungen an unterschiedlichen Ort und zu den verschiedensten Produkten sichtbar ist. Schließlich ist es mehr als unwahrscheinlich, dass eine einzelne Person am selben Tag ein Café in Mannheim, eine Bäckerei in Hamburg und einen Club in München besucht. Leichter wird es, wenn die Gier zuschlägt und die Autoren eine ganze Reihe von Einträgen nacheinander abarbeiten. Dann lässt sich schnell eine gewisse Beliebigkeit in den Einträgen erkennen. Die Textblöcke sind nichtssagend und lassen sich flexibel überall einsetzen. So können ohne viel Aufwand schnell weitere Seiten befüllt werden.
  • Auftragsarbeit: Qualitativ hochwertige Berichte, die ausführlich über das jeweilige Produkt oder Unternehmen informieren. Diese werden von professionellen Textern erstellt und halten sich eng an echte Rezensionen, um authentisch zu scheinen.
    • Erkennungschance: Fast unmöglich. Wenn die Plattform nicht nur verifizierte Käufer zur Bewertung zulässt, ist es kaum möglich, diese Form der Fälschung zu erkennen. Die Bewertungen unterscheiden sich nicht von echten Rezensionen. Nur dann, wenn der Texter sein Handwerk nicht versteht, klingen sie wie Produktbeschreibungen aus dem Marketinghandbuch des jeweiligen Unternehmens.

Im Zweifel den Experten fragen

Unternehmen, die Hilfe beim Managen ihrer Bewertungen brauchen, wenden sich am besten an professionelle Dienstleister wie Fivestar Marketing. Diese sind in der Lage, durch sinnvolle Maßnahmen und eine Reihe hilfreicher Tipps die durchschnittliche Bewertung deutlich zu verbessern, ohne dabei auf illegale Tricks zurückgreifen zu müssen.

***
Hessen-Tageblatt – Wirtschafts-Redaktion