Wiesbaden – Themenreihe „Bildung schafft Zukunft“ beschäftigt sich mit Weiterbildung

Hessische-Nachrichten - Wiesbaden - Aktuell -Wiesbaden – Zum zweiten Mal in diesem Jahr hatte das Amt für Soziale Arbeit am Mittwoch, 14. November, zu einer Veranstaltung der Themenreihe „Bildung schaff Zukunft“ ins Wiesbadener Rathaus eingeladen. Während in der Auftaktveranstaltung im September aktuelle Ergebnisse aus der Kindheitsforschung vorgestellt wurden, beschäftigte sich der Vortrag am 14. November mit einem Thema der Erwachsenenbildung.

In Vertretung des Bildungs- und Sozialdezernenten Christoph Manjura begrüßte Ingeborg Groebel, Leiterin des Büros für Kommunale Bildungsprojekte, Bürgerinnen und Bürger, darunter eine Reihe von Fachleuten, die sich im Stadtverordnetensitzungssaal eingefunden hatten.

Nach kurzer Vorstellung des Referenten, Dr. Christopher Osiander vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und Experte in der Erwachsenenbildung, erläuterte sie kurz, wie es zur Themenstellung des Abends gekommen war: Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts „Bildung integriert..Wiesbaden“ befasst sich das Sozial-/Bildungsdezernat mit der Frage, wie der Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen für Bürgerinnen und Bürger verbessert werden kann. Insbesondere vor dem Hintergrund der erhöhten Arbeitslosenquote in Wiesbaden ist das Thema ein wichtiges.

Von dem Vortrag des Experten des IAB, Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit, erhofft man sich wichtige Impulse. Entsprechend wird Dr. Osiander unter dem Titel „Weiterbildung Beschäftigter und Arbeitsloser – einige ausgewählte Befunde“ aktuelle Forschungsergebnisse zu beruflicher Weiterbildung vorstellen.

Dr. Osiander wies auf verschiedene Strukturprobleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt hin: Trotz sinkender Arbeitslosenquote sind insbesondere Geringqualifizierte, also Personen ohne beruflichen Abschluss, anhaltend von hoher Arbeitslosigkeit betroffen. Außerdem befindet sich der Arbeitsmarkt im ständigen Wandel, beispielsweise durch die fortschreitende Digitalisierung. In diesem Kontext kann Weiterbildung als entscheidende Stellschraube gesehen werden, auch Geringqualifizierten verstärkt Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen und damit ihre Teilhabechancen zu erhöhen.

Doch nicht alle Personengruppen nehmen Weiterbildungen im gleichen Maße in Anspruch. Gerade diejenigen Personen, die am meisten von Weiterqualifizierung profitieren würden, wie beispielsweise Geringqualifizierte oder Beschäftigte in an- und ungelernten Tätigkeiten, nehmen deutlich seltener an Weiterbildungsmaßnahmen teil. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind hierfür unterschiedliche Gründe maßgeblich: Vor allem finanzielle Aspekte, zuvorderst mögliche Einkommenseinbußen während der Weiterbildung, spielen eine große Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Weiterbildungsteilnahme. Aber auch Unsicherheiten und Ängste bezüglich der ungewohnten Lernsituation führen dazu, dass Arbeitslose Weiterbildungsangeboten kritisch gegenüberstehen.

Dr. Osiander macht im Anschluss daran deutlich, dass sich die Teilnahme an Weiterbildung durchaus lohnt. Die Auswertung empirischer Studien zu dieser Thematik zeigt mittelfristig im Durchschnitt positive Wirkungen von beruflicher Weiterbildung auf die Beschäftigungschancen: Personen, die ein Angebot zur Weiterbildung/Umschulung annehmen und die Maßnahme erfolgreich beenden, nehmen deutlich häufiger eine neue berufliche Tätigkeit auf als Personen, die sich zu einer Weiterbildung nicht entschließen können. Der positive Beschäftigungseffekt von Umschulungen ist signifikant positiv, dieser Effekt ist über viele Jahre stabil.

Besonders wichtig wäre es, Weiterbildung für potenzielle Teilnehmende noch attraktiver zu gestalten. Finanzielle Anreize könnten dabei helfen, aber auch eine qualitativ hochwertige Beratung sowie die Bereitstellung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder begleitendem Coaching, um mögliche Hemmnisse bei der Teilnahme zu minimieren.

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